Ahrtaler Eisenbahnfreunde

2008 Semmeringbahn

Die erste Bahn über den Semmering
Unglaubliche Pionierleisung .......

Text von Willi Tempel

Eine der schönsten Eisenbahnstrecken Europas hatten sich die Freunde der Ahrtalbahn diesmal für ihre Fahrt ausgesucht: Die österreichische Semmeringbahn zwischen Gloggnitz, Semmering und Mürzzuschlag. Vor 150 Jahren wurde diese grandiose und beeindruckende Bahnstrecke durch die felsige und talreiche Gegend gebaut. Sie war die erste Alpenüberquerung als Normalspurbahn, gebaut nur aus mächtigen behauenen Steinquadern, Ziegeln und Mörteln.
Beeindruckende Ausblicke auf die Semmeringbahn: Der
Beeindruckende Ausblicke auf die Semmeringbahn: Der "20-Schilling-Blick"
Insgesamt fast 1.000 Kilometer reisten die begeisterten Bahnfreunde mit dem ICE von Bonn zum Wiener Westbahnhof an, von wo zunächst mit der U-Bahn und danach über Wiener Neustadt mit einem Regionalzug - bei einer Stunde Fahrzeit - weiter nach Gloggnitz ging. Hier befindet sich der talseitige Beginn der weltberühmten Semmeringbahn. Die Einzigartigkeit und die gelungene Verbindung mit der Landschaft führte schließlich im Jahr 1998 zur Ausweisung der Semmeringbahn als weltweit erstes UNESCO-Bahnweltkulturerbe überhaupt.

Die Gruppe der Eisenbahnfreunde in Gloggnitz-Zoom in
Die Gruppe der Eisenbahnfreunde in Gloggnitz
Gleich am nächsten Tag erkundete die Gruppe von Gloggnitz aus die Semmeringbahn auf verschiedene Art und Weise: Hinauf ging es mit dem Erlebnis-Sonderzug „Zauberberg“ durch die faszinierende Landschaft und über die ebenso faszinierenden Bahnbauwerke. Während einige die von Organisator Wolfgang Groß ermöglichten Lokmitfahrten nutzten, begaben sich andere auf den 25 Kilometer langen Bahnwanderweg am Weltkulturterbe Semmering. Durch Täler, unter Brücken und Viadukte sowie teilweise über abenteuerliche Höhenwege folgten die begeisterten Bahnfans den Weg der Bahnstrecke. Hier boten sich immer wieder atemberaubende Ausblicke auf Landschaft und Verlauf der zweispurigen Trasse. Als nächstes Ziel hatten sich einige Ahrtalbahnfreunde eine Almhütte ausgesucht.
Aus großer Höhe gigantische Ausblicke auf die Strecke-Zoom in
Aus großer Höhe gigantische Ausblicke auf die Strecke
Aus der Höhe wirkten Landschaft und Bahntrasse noch gigantischer: Ausblicke und Eindrücke waren phantastisch, die Integration der Trasse in die Landschaft ist vollendet gelungen. Einen Tag nutzten die Ahrtalbahnfreunde zu seinem Besuch in Graz. Von der Wiener Neustadt aus führt eine einspurige, landschaftlich ebenfalls äußerst reizvolle Bahnlinie nach Graz. Nach einer Stadtbesichtigung - wie strahlendem Sonnenschein - ging es mit dem EC durch die Steiermark zurück bis Mürzzuschlag und von dort zurück ins Tal nach Gloggnitz. In Mürzzuschlag besuchten die Gruppe von Ahr und Rhein schließlich noch das Eisenbahnmuseum, in dem insbesondere die unglaublichen Leistungen beim Bau der Semmeringstrecke anschaulich dargestellt sind. Interessiert beobachteten die Ahrtalbahnfreunde auch den guten und sauberen Zustand von Gleisanlagen, Bahnhöfen und Zügen in Österreich. An den Bahnhöfen sorgt regelmäßig ein „Clearingservice“ für ein einladendes Umfeld. Vor der Rückfahrt nutzten die Bahnfreunde die Zeit noch zu einem Aufenthalt in Wien.

Viadukt
Viadukt "Die kalte Rinne"
Geschichte

Die Semmeringbahn überwindet eine, für damalige Verhältnisse unwahrscheinliche Höhendifferenz von 457 Metern, der höchste Punkt liegt auf 896 Metern. Die Strecke umfasst rund 41 Kilometer, 16 Viadukte (davon mehrere zweistöckig), 15 Tunnels und 100 gemauerte Bogenbrücken beziehungsweise Eisenbahnbrücken. Auf den Einsatz von Stahl und Eisen wurde vom Erbauer vollkommen verzichtet. Dafür wurden 65 Millionen Ziegel und 80.000 Steinquader verbaut. Die Semmeringbahn wurde schon zu ihrer Zeit als "harmonische Kombination von Technologie und Natur" angesehen. Beeindruckend und faszinierend schlängelt sie sich durch steile Felswände hindurch, überquert Brücken und Viadukte, verschwindet immer wieder in einem der Tunnels und bietet wunderschöne Ausblicke auf das Semmeringgebiet.
Am Wochenende und an Feiertagen (hier am 1.Mai)verkehrt der Erlebniszug der ÖBB-Zoom in
Am Wochenende und an Feiertagen (hier am 1.Mai)verkehrt der Erlebniszug der ÖBB
1841 erteilte der damalige Staatsminister Karl Friedrich Kübeck den Auftrag zur Errichtung einer Bahnlinie nach Triest. 1844 existierten die Bahnlinien von Wien nach Gloggnitz sowie von Mürzzuschlag nach Graz und nun galt es, eine Verbindung zwischen diesen beiden Strecken herzustellen. In einer Rekordzeit von nur sechs Jahren wurde die Semmeringstrecke als die erste vollspurige Bergbahn Europas errichtet. Schwierige geologische Bedingungen, Schluchten, und Bergrücken erschwerten die Verlegung der Schienenstränge, so dass die zusätzliche Konstruktion von Tunnels, Viadukten und Brücken unumgänglich war. Bis zu 20.000 Arbeiter waren mit dem Bau beschäftigt, ausgestattet mit nur wenigen Baumaschinen und Schwarzpulver von geringer Sprengkraft. Etwa 1.000 Menschen verloren durch Unfälle, insbesondere aber durch Typhus und Cholera, ihr Leben.

Über den Bahnwanderweg geht es 25 km entlang der Strecke-Zoom in
Über den Bahnwanderweg geht es 25 km entlang der Strecke
UNESCO-Weltkulturerbe

1998 wurde die Semmeringbahn vom UNESCO-Welterbe-Komitee zum Weltkulturerbe erklärt, mit der Begründung, dass sie „eine herausragende technische Lösung eines großen physikalischen Problems in der Konstruktion früherer Eisenbahnen repräsentiere“. Es galt jedoch auch noch ein anderes Problem zu lösen: Eine Dampflokomotive zu finden, welche die enorme Steigung über den Semmering überwinden könnte. Am 16. Mai 1854 befuhren der Kaiser und die Kaiserin die Bahnstrecke, am 17. Juli 1854 konnte die Bahn feierlich eröffnet und dem allgemeinen Personenverkehr übergeben werden. Bis zum heutigen Tag hat sich an der Streckenführung nicht viel geändert, nur der längste Tunnel, der Semmeringtunnel, musste neu gebaut werden. Durch Wassereinbrüche waren Teile des Tunnels einsturzgefährdet und so wurde im Jahr 1952 der neue Tunnel mit einer Länge von 1511,5 Metern eröffnet.

Oberhalb des Ortes Breitenbach-Zoom in
Oberhalb des Ortes Breitenbach
Zum Gedenken an das Genie der Baukunst des Carl Ritter von Ghega steht ein Denkmal am Bahnhof Semmering. Dieses ist gleichzeitig auch Ausgangspunkt des Semmering Bahnwanderweges. Vom Bahnhof Semmering führt der Weg entlang des Bahnkörpers, vorbei an Aussichtspunkten mit großartigem Panoramablicken auf den interessanten Teil des Gesamtbauwerkes bis zum Bahnhof Breitenstein (neun Kilometer), Klamm (15 km), Payerbach (21 km) oder Gloggnitz (23 km). So kann jeder Wanderer individuell seine Route zusammenstellen und von einem der Bahnhöfe mit dem Zug wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren. Ein besonderes Erlebnis sind die vielen unvergleichbaren Aussichtspunkte sowohl auf die Bahntrasse als auch auf die wunderschöne Landschaft des Semmeringgebietes.