Ahrtaler Eisenbahnfreunde

Geschichte einer kleinen Reaktivierung

10 Jahre Schienenverkehr Ahrbrück – Kreuzberg

Vor 10 Jahren, am 2. Juni 1996 fuhr nach über 10jähriger Pause wieder ein Reisezug auf der Ahrtalbahn bis nach Ahrbrück. Zuvor hatten sich sich einige Kommunalpolitiker engagiert für die Reaktivierung des rd. 2,5 langen Streckenabschnitts von Kreuzberg bis Ahrbrück eingesetzt. Dieses Vorhaben, das eiserne Rad wieder bis Ahrbrück rollen zu lassen, war nicht ganz einfach zu realisieren konnte aber nach ca. drei Jahren intensiver Arbeit
Minister Brüderle, Landrat Joachim Weiler und Bahnhofsvorsteher Wolfgang Groß, 21.12.1992 Bf Remagen, Eröffnung der Regionalbahn Ahr-Zoom in
Minister Brüderle, Landrat Joachim Weiler und Bahnhofsvorsteher Wolfgang Groß, 21.12.1992 Bf Remagen, Eröffnung der Regionalbahn Ahr
verwirklicht werden. Dies war nach vielen Jahren des Rückbaus von Eisenbahnstrecken wieder ein positives Signal für den Schienenpersonennahverkehr und Vorbild für viele andere Modernisierungen an der Ahrstrecke.
In den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg blieb auch die Ahrtalbahn wie so viele andere Eisenbahnstrecken in Deutschland nicht von Rück- und Abbau verschont. So war es bis in die siebziger Jahren noch möglich, von Remagen über Dümpelfeld bis Jünkerath zu fahren. Der letzte Reisezug fuhr hier am 1. Juni 1973. Heute zeugen nur noch Reste von Kunstbauten
Eröffnung 2. Juni 1996  durch Bürgermeister Krüger-Zoom in
Eröffnung 2. Juni 1996 durch Bürgermeister Krüger
(Tunnels, Empfangsgebäuden oder Brückenbauwerken) von diesen historischen Strecken. Der Streckenteil von Kreuzberg bis Adenau wurde 1985 nach langer Diskussion für den Reisezugverkehr stillgelegt. Leider gab es wenig Gegenwehr. Güterzüge verkehrten noch einige Jahre bis Hönningen („Fledermausbahnhof“).
Anfang der neunziger Jahre forcierte die damalige Mainzer Landesregierung wieder den öffentlichen Personennahverkehr und in diesem Rahmen auch wieder den Aufbau eines attraktiven Schienenpersonennahverkehrs. Rückbaupläne wurden zurückgestellt und Nahverkehrsverträge mit der DB zum Erhalt der Infrastrukturen und für bessere Fahrplanangebote geschlossen. Unter dem neuen Slogan „Rheinland-Pfalz-Takt – Ein Land spart Zeit“ wurden ab 1995 viele Taktfahrpläne mit mehr Zügen auf die Schiene gestellt. FDP-Minister Brüderle setzte sich dabei meist an die Spitze der Bewegung und sorgte für medialen und politischen Schwung. Auch die Ahrtalbahn profitierte auf Grund einiger aktiver Kommunalpolitiker und Eisenbahnfreunden früh von diesem frischen Wind. So wurde schon am 21.12.1992 in Anwesenheit von Minister Brüderle, dem damaligen Kölner DB-Direktionspräsidenten Beck und Landrat Weiler die Zugbezeichnung „Regionalbahn“ auf der Ahrstrecke eingeführt (Taktfahrplan, stärkere Dieselloks, modernisierte Wagen).
Es wurde also nicht nur geredet sondern auch gehandelt. Basis waren dabei hohe finanzielle Zuschüsse des Landes, die den Kommunen zur Reaktivierung und Modernisierung von Bahnanlagen für den Reisezugverkehr angeboten wurden. Im Kreis Ahrweiler interessierte sich vor allem die Gemeinde Ahrbrück mit ihrem damaligen Bürgermeister Helmut Krüger an der Spitze für solche Überlegungen. 1993 hatte die SPD-Fraktion im Gemeinderat einen Antrag zur Reaktivierung gestellt. Der alte Bahnhof Brück/Ahr gehörte damals schon der Gemeinde, war allerdings in harter Arbeit in ein schmuckes Bürgerhaus verwandelt worden. Reisende von Remagen nach Ahrbrück oder Adenau mussten seit 1986 schon in Altenahr den Zug verlassen und in den Bus umsteigen. Die Straßenverbindung von Altenahr nach Ahrbrück ist bekanntlich wesentlich länger als die direkte Eisenbahnlinie vorbei unterhalb der Pützfelder Kapelle. Zudem sorgte der besonders an Wochenenden starke Individualverkehre auf der B 267 immer wieder für Staus und die Busse aus Richtung Adenau erreichten teilweise die Anschlusszüge in Altenahr nicht mehr.
Bf Kreuzberg, 23.10.05
V 212 wieder mal im Ahrtal-Zoom in
Bf Kreuzberg, 23.10.05 V 212 wieder mal im Ahrtal
So war die Idee, einen neuen Umsteigepunkt Bus/Bahn in Ahrbrück zu errichten naheliegend.
Bürgermeister Kröger war unermüdlich und hartnäckig aktiv, um die Ideen und Planungen zu einer Reaktivierung der oberen Ahrtalbahn in Verbandsgemeinde, Kreis und Land zu erläutern und für das Vorhaben zu werben. Er fand rasch einige Mitstreiter: Im Kreistag war das Thema ÖPNV-Förderung bekannt, Landrat Joachim Weiler und vor allem die SPD-Fraktion unterstützten die Gemeinde. Die Vertreter des frisch gegründeten SPNV-Zweckverbandes Koblenz und des Mainzer Verkehrsministerium waren erfreut über den kommunalen Wunsch, suchte man doch auch im Norden des Landes nach förderungswürdigen Projekten. Schwerer zu überzeugen war nur die DB-AG, die vielen solcher Projekten zunächst skeptisch gegenüberstand. Aber nach vielen Gesprächen mit dem zuständigen Regionalbereich DB-Regio in Koblenz konnte auch diese Hürde genommen werden, entsprechende Verträge mit Land, Kreis und Gemeinde zur Finanzierung und Ausbau wurden abgeschlossen. Der Spatenstich zum Umbau zum Ausbau der Bahnanlagen fand am 14. März 1996 in Ahrbrück statt. Die Kosten teilten sich zu 90% Land und zu 10 % die Gemeinde. Für die Gemeinde bedeutete dies Ausgaben von rd. 120.000 DM und viele Eigenleistungen. Kreis und Verbandsgemeinde beteiligten sich hingegen nur mit geringen Zuschüssen.
In Ahrbrück wurde ein neuer 120 Meter langer Bahnsteig mit passender Einstiegshöhe zum Zug gebaut, zwischen Kreuzberg und Ahrbrück wurden die Schienen und der Oberbau erneuert, Signalanlagen für den Reisezugverkehr angepasst. Eine moderne und große Bahnsteigüberdachung für Bus und Bahn entstand und die alte Ladestraße wurde zur modernen Verkehrsfläche umgestaltet.
Nach rund 10jähriger Pause verließ dann endlich am 2. Juni 1996 ein Nahverkehrszug den Bahnhof Kreuzberg nach Ahrbrück. Mit einem Volksfest feierten Bürger, Eisenbahnfreunde und politische Vertreter die Wiedergeburt der Zugverbindung. In den darauf folgenden Jahren wurde das Angebot immer weiter verbessert. Züge fahren heute meist direkt bis Bonn Hbf und die alten lokbespannten Züge wurden durch Dieseltriebwagen abgelöst.