Ahrtaler Eisenbahnfreunde

Eisenbahnen in Peru

Nachfolgende Bilder wurden alle 2013 auf unserer Tour durch Peru gemacht. Sie sollen einen Eindruck von Land und Leuten, Historie und Infrastruktur geben. Wir befuhren dabei vier Eisenbahnstrecken:

Lima - Huancayo

Huancayo - Huancavelica

Puno – Cusco

Cusco – Machu Picchu (Calientes)

Die Reisezeit Ende Juni bis Mitte Juli war für die Anden ideal. Fast durchgehend herrschte schönes Wetter mit strahlend blauem Himmel. An der Küste war es ebenfalls schön, dies war aber nicht der Normalfall.

Fahrt mit der Ferrocarril Central Andino
Lima - La Oroya - Hunancayo

Auf der Strecke wird Güter- und Personenverkehr abgewickelt. Personenzüge verkehren als Touristenzüge nur an wenigen Tagen im Monat. Informationen dazu (Fahrplan usw.) gibt die Website der Ferrocarril Central Andino: www.ferrocarrilcentral.com.pe/index_.php

Die Züge befahren die Andenkette in fast offener Streckenführung von Lima auf Höhe 0 mit einem kurzen Scheiteltunnel kurz vor der Paßhöhe auf 4781 m. Die Steigung wird mit vielen Spitzkehren bewältigt ohne das die Lok an das andere Ende des Zuges wechselt. Das Personal ist sichtlich gut ausgerüstet und eingearbeitet.

Die Fahrt beginnt am Bahnhof in Lima frühmorgens um 7 Uhr. Der Zug bestand aus 11 Wagen mit gutem Komfort (Schnellzugstandard DB aus den siebzigern).

Der Bahnhof in Lima-Zoom in
Der Bahnhof in Lima
Es herrschte reges Treiben, der Zug war ausgebucht. Touristen aus aller Herren Länder freuten sich auf eine rund 12 stündige Zugfahrt. Der Checkin dauerte 1 Stunde, daher war es notwendig, um 6 Uhr am Bahnhof anzukommen.
Ein langer Zug wartete am Bahnsteig-Zoom in
Ein langer Zug wartete am Bahnsteig
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Relativ pünktlich ging es los. Gemächlich mit ca. 50 km/h ging es rund eine Stunde durch die Stadt Lima und ihre Vororte, eingleisig und mit sehr vielen technisch nicht gesicherten Bahnübergängen. Bis zur Station Chosica steigt die Strecke nur langsam an. Die Schiene wird nicht als Vorortverkehr genutzt, man sah allerdings einige Triebwagen abgestellt stehen. Nach dem relativ kurzen, moderat ansteigenden Talabschnitt von Callao bis Chosica (km 54) beginnt hier die eigentliche Bergstrecke.
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Der Bahnhof Chosica wurde erreicht, Streckenkilometer 54-Zoom in
Der Bahnhof Chosica wurde erreicht, Streckenkilometer 54
Die Steigung beträgt ab hier fast ununterbrochen 41 bis 47 Promille. Dabei führt die Fahrt durch enge Schluchten und über 7 Spitzkehren bis zur Paßhöhe bei Galera auf 4781 (km 172) wo die Andenkette mit einem kurzen Scheiteltunnel durchquert wird. Dabei werden mehrere, tief eingeschnittenen Schluchten und 7 Spitzkehren passiert; eine weitere befindet sich auf der Ostseite des Passes beim Abstieg nach La Oroya hinunter.

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von Chosica geht es weiter bis zum Bahnhof San Bartholomä auf 1513 m. Hier stehen viele ältere Fahrzeuge abgestellt, darunter einige Dampfloks.
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Im Bahnhof San Bartholomä findet der erste Fahrtrichtungswechsel statt und das einzige Mal wechselt die Zuglok von der einen auf die andere Seite. Dazu wird die Diesellok auf einer Drehscheibe gedreht, ein Schauspiel für die Reisenden, die munter über die Gleise marschieren.
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Dem Zug voraus führt auf der Straße ein Pickup, der alle Bahnübergänge vor Befahren sichert. Weiter führt vor dem Zug in größerem Abstand ein Kleinwagen mit drei Eisenbahnern. Ihre Aufgabe: Feststellen, ob die Strecke von Gegenständen oder Personen/Tieren frei ist. Sie entfernen ggf. größere Steine, warnen Personen oder Tiere, halten notfalls den dahinterfahrenden Zug an.
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Nach rund 45 Minuten ging es dann weiter bergan.

Da die Fahrt auf eine Höhe von über 4800 m führte und dann weiterführte bis Huancayo auf 3800 m, waren auch Krankenschwestern mit im Zug, die sich um Reisende mit Beschwerden kümmerten. Es wurde reichlich Tee ausgeschenkt und wir waren schon vorher mit Coca-Blättern versorgt worden. Es wurde angeraten, in der Höhe täglich 3 liter Wasser oder Tee zu trinken.

Nach ca. 6 Stunden erreichten wir dann hinter einem kleinen Tunnel die Paßhöhe bei Galera auf 4781 m Höhe. Der Zug hielt ca. 15 Minuten und man fühlte sich draußen schon ein wenig "schwummerig".

Es ging dann langsam ein wenig abwärts bis auf 3.600 m Höhe, wir passierten den Ort La Oroya, der durch Umweltverschmutzung eine gewisse traurige Bekanntheit erlangt hat. Beeindruckend die großen Industrieanlagen die Kupfer aus den Minen verarbeiten.
Von der 346 km langen Stammstrecke zweigt in La Oroya, dem metallurgischen Zentrum Perus, die 1904 eröffnete, 132 km lange Strecke in die Minenstadt Cerro de Pasco (4330 m über Meereshöhe) ab, die zusammen mit der 89 km langen Minenstrecke Pachacayo-Yauricocha im Jahr 1997 von der Minengesellschaft Centromin SA an ENAFER überging.


Anders als man es für Lateinamerika erwarten würde, wickelt die Bahn heute einen vergleichsweise regen Güterverkehr ab. Transportiert werden vor allem Erze und Halbprodukte der Tagebauminen und Metallurgischen Kombinate bei Cerro de Pasco und La Oroya. Gefahren wird nicht nach einem festem Fahrplan, sondern eher nach Bedarf, und so ändern Züge und Fahrzeiten praktisch täglich.

Weiter ging es auf der Hochebene dann bis zur Endstation Huancayo (3.660m), welches wir zur Nachtzeit gegen 20 Uhr mit erheblicher Verspätung erreichten. Wie immer wurden wir zuverlässig abgeholt und zum Hotel gebracht.



Von Huancayo nach Huancavellica

Am nächsten Morgen wurden wir wieder pünktlich abgeholt und zum Bahnhof der Eisenbahn von Huancayo nach Huancavelica gebracht, zur Station Chilca im Süden der Stadt. Diese von der lokalen Bevölkerung leicht ironisch "El tren Macho" genannte Bahn (Nunca se sabe cuando viene y cuando se para....mal kommt er, mal nicht - eben nicht zuverlässig) führt fernab der grossen Besucherströme durch einsame, wildromantische Gebirgstäler in das verschlafene Provinzstädtchen Huancavelica.
Der Zug mit Diesellok, drei Personen- und zwei Güterwagen stand abfahrbereit am Bahnsteig, vollbesetzt, nur zwei Plätze (für uns reserviert) noch frei. Verladen wurden so ziemlich alles, was man so zum Leben in den Dörfern braucht und pünktlich ging es um 6.30 Uhr los. Zunächst mitten durch die Stadt und dann entlang des Flusses Rio Montaro. Der Zug verkehrte 2013 grundsätzlich regelmäßig jeden zweiten Tag.

Die Strecke war in der Vergangenheit zeitweise eine Schmalspurbahn. Man befürchtete damals in Peru, das die Strecke für Reparationszahlungen in Betracht kommen könnte und hatte daher eine Umspurung veranlasst. Im Jahr 2009 wurde die Linie von 914 mm (3 ft) Spurweite auf das auch in Deutschland übliche Maß von 1,435 mm (4 ft 8 1⁄2 in) umgespurt (October 2010 Fertigstellung).
Die Fahrzeit beträgt bis Huancavellica ca. 8 Stunden. Teilweise wird auf Unterwegsbahnhöfen auch rangiert, Wagen abgesetzt bzw. aufgenommen. An jeder Haltestation war rege Ent- bzw. Beladetätigkeit zu beobachten.
Während der Fahrt wurden laufend frische Speisen im Küchenwagen zubereitet und serviert. An vielen Stationen stiegen lokale Verkäuferinnen ein und boten selbst zuberreitete Teigwaren und andere Speisen an.
Während der Fahrt kam man mit anderen Mitreisenden ins Gespräch und erfuhr viel von Land und Leuten.
Gegen 14 Uhr erreichten wir Huancavellica auf 3800 m Höhe.Huancavelica präsentiertes sich als Kleinstadt mit viel Lokalkolorit, regen Geschäftsleben aber ohne viel Tourismus. Der Plaza de Armas lädt zum Verweilen ein und ist in den Abendstunden rege besucht.

Die Strecke sollte in der Vergangenheit von Huancavelica bis Ayacucho weitergeführt werden. Bei der Weiterfahrt per Auto über die Hochebene nach Arequipa sahen wir in der Nähe von Huancavelica mehrere fertigausgebaute Tunnel und die geplante Streckenführung.Puno – Cusco

Nach einer Fahrt mit dem Auto von Hunacavelica über Halte in Ayacucho, Paracas, Nasca, Arequipa und Chivay im Colcatal bis Puno am Titicacasee startete dort die dritte Zugfahrt in Peru.


Die Peruanische Südbahn, spanisch Ferrocarril del Sur ist eine von PeruRail betriebene Bahnstrecke in Peru, welche die Regionen Cusco und Puno mit der Pazifikküste verbindet. Im Bahnhof Crucero Alto zwischen Arequipa und Puno erreicht sie eine Höhe von 4.470 m ü.M., am Pass La Raya zwischen Juliaca und Cusco 4.314 m ü.M.

Die Peruanische Südbahn führt in Normalspur (insgesamt 915 km) vom Pazifikhafen Matarani bei Mollendo über Arequipa nach Juliaca, wo sie sich teilt. Der östliche Streckenzweig führt nach Puno am Titicaca-See und der westliche nach Cusco, von wo aus eine Schmalspurstrecke weiter nach Quillabamba führt.
Diese Strecke beginnt im zweiten Bahnhof von Cusco, der Estacion del Sur Wanchaq. Für Überführungsfahrten sind die beiden Bahnhöfe von Cusco mit einem Dreischienengleis durch das Stadtgebiet verbunden. Die Betreibergesellschaft PeruRail verfügt über zwei Touristenzüge, die an drei Tagen je Woche verkehren. Ihr höchstgelegener Bahnhof La Raya am gleichnamigen Pass liegt 4314 m ü.M. Die Gesellschaft gehört zur " Orient-Express Hotels Ltd.".

Die Wagen sind luxeriös ausgestattet und bieten besten Komfort - ein teilweise erschreckender Gegensatz zu den ärmlichen Verhältnissen im Land.

Die Streckenlänge von Puno bis Cusco beträgt 380 km bei einer Spurweite von 1435 mm. Die Fahrtzeit beträgt rund 8 Stunden und die Züge werden fast überwiegend von Touristen genutzt. Der Fahrpreis für den Bus beträgt nur rd 1/3 des Fahrpreises für den Luxuszug, der täglich in beide Richtungen verkehrt.



Die Fahrt begann um 8 Uhr morgens mit einer umfangreichen Begrüßung über Bordlautsprecher in angenehmer Atmosphäre. Es ging zunächst entlang des Titicacasees bis zur Provinzhauptstadt Juliaca. Der Zug hielt kurz im Bahnhof, der auf beiden Seiten mit Toren verschlossen werden kann und auch normalerweise verschlossen ist. Nach einem Lokführerwechsel ging es dann weiter quer durch die Stadt. Der Gleisbereich wird wenn kein Zug verkehrt als Marktplatz benutzt.

Das heißt, der Zug "bahnt" sich seinen Weg unter lautem Gehupe, alles sprintet zur Seite, Stände werden weggeräumt und hinter dem Zug wieder aufgestellt. Viele Verkaufsgegenstände bleiben einfach zwischen den Schienen liegen.

Weiter ging es durch die unendliche Hochebene, die man vom Aussichtwagen ganz am Schluß des Zuges hervorragend beobachten konnte.

Auf halber Strecke kreuzt der Gegenzug, das Zugpersonal und auch die Musikgruppen aus dem Barwagen wechseln in den jeweils anderen Zug. Bewohner der Umgebung nutzen die Pause, um am Zug kleine selbstgebastelte Gegenstände zu verkaufen.

Nach einigen Kilometern weiter hält der Zug ein weiteres Mal an einem kleinen Weiler mit einem folkloristischen Markt. Dies bot Gelegenheit, einmal die Lokomotive zu erkunden und einige Worte mit dem Lokführer zu wechseln.
Die Fahrt ging dann mittags weiter. Die Verpflegung im Zug und der Service waren einfach Spitze. Das Unternehmen gehört zu der Gruppe, die auch in Cuzco das 5-Sterne Hotel "Belmond Hotel Monasterio" betreiben. Wie auch der Zug gehört das 1595 erbaute Hotel der " Orient-Express Hotels Ltd.".

In der Bar spielte eine wirklich gute Band mit peruanischen aber auch europäischer klassischer Musik.

Gegen 18 Uhr erreichten wir planmäßig den Bahnhof Cusco und wurden wie immer sehr pünktlich abgeholt und ins Hotel Santa Maria gefahren.