Ahrtaler Eisenbahnfreunde

2010: Vortrag Klaus Kemp

Der Buchautor Klaus Kemp referierte über die Geschichte der Ahrtalbahn
1910 bis 1912 zur Militürbahn ausgebaut - viele Trassenverlegungen

Im Herbst 2010 referierte im Mehrgenerationenhaus Bad Neuenahr der Autor des Buches "Die Ahrtalbahnen," Klaus Kemp zum Thema "Die erste Ahrtalbahn von 1880/1888 - eine Spurensuche." Kemp lebt mit seiner peruanischen Frau in Lima. Auch dort ist mittlerweile ein Buch von ihm über die Eisenbahnen in Peru entstanden, das sowohl in Spanisch wie in Deutsch erschienen ist. Klaus Kemp referierte auf Einladung der Ahrtalbahnfreunde in Bad Neuenahr. Nach kurzer Begrüßung durch Wolfgang Groß präsentierte er sich mit Text und Bildern als filigraner Kenner der Ahrtalbahn, von deren Neubau und Streckenverlegungen bis hin in die Veränderungen der Neuzeit. Von damals ist schon sehr vieles verschwunden, und hiervon gab es noch keine bewegten Bilder, sondern nur noch Fotos. Daher ist es umso wichtiger, die heute noch vorhandenen Bahnanlagen und Bahnh�fe zu dokumentieren,� appellierte der Referent. Die Ahrtalbahn wurde, wie damals viele andere, als Stichbahn in abgelegene Gebiete gebaut - als Sekund�rbahn zun�chst eingleisig zwischen 1880 und 1888 und mit einer Steigung von bis zu 1:60. Als strategische Milit�rbahn wurde sie in den Jahren 1910 bis 1912 zweigleisig und kreuzungsfrei weiter- und umgebaut. Hierbei gab es nur noch Steigungen von 1:100. Im Zuge dieser Ma�nahmen kam es wegen der angestrebten Kreuzungsfreiheit zu etlichen Streckenverlegungen.

Die Br�cke von Remagen

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges kam es auch zur Anbindung der - weltweit dann durch den zweiten Weltkrieg bekannt gewordenen - Br�cke von Remagen. Der Kurvenradius der Gleise zwischen Remagen und Sinzig wurde damals ebenfalls ver�ndert. Bis Ahrweiler gab es dann keine Ver�nderungen an den Gleistrassen. In Ahrweiler jedoch wurden die damals im r�ckw�rtigen Bereich der heutigen �Ehrenwall�schen Klinik� verlaufenden Schienen - zwischen Stadtmauer und Ahr - auf die andere Stadtseite (Adenbach) verlegt. Zuvor mussten die Z�ge vor dem Ahrtor Schritt fahren und durch Bahnbedienstete personell gesichert werden. Weitere Trassenverschiebungen gab es in Walporzheim, Rech, Mayscho�, Altenahr, H�nningen und D�mpelfeld. In Walporzheim verliefen die Gleise vor der fr�heren �LLVA.� Der alte Bahnhof ist ebenfalls noch erhalten. Ab Walporzheim ist die Ahrtalbahn nur noch einspurig. Das zweite Gleis war nach dem letzten Krieg von hier aus Ahr aufw�rts demontiert worden. An der �Bunten Kuh� gab es keine Ver�nderungen des Gleisverlaufes, jedoch eine Erweiterung der bestehenden Br�cke. Zwischen Dernau und Altenahr gab es ebenfalls umfangreiche Neutrassierungen zur Verringerung bestehender Steigungen. In Dernau wurde die heutige Bundesstra�e 267 verlegt, die damals noch direkt am Ahrufer verlief. Auf die alten Stra�entrasse wurden dann die beiden Gleise verlegt. In Rech verlief die urspr�ngliche Strecke auch v�llig anders.

Gleise durch �Hotel Appel�

Die Gleise verliefen �ber den Parkplatz und direkt unter dem heutigen �Hotel Appel,� wo der Felsdurchbruch an der Parkplatzseite noch gut zu erkennen ist. Gravierend waren auch
Streckenverlauf der Ahrtalbahn in Mayschoß um 1900-Zoom in
Streckenverlauf der Ahrtalbahn in Mayschoß um 1900
die Veränderungen durch die Verlegung der Ahrtalbahn in Mayschoß (siehe auch beiliegendes Foto). Diese schwenkte etwa in Höhe des heutigen Holzlagerplatzes in Richtung "Hotel Lochmühle" und führte dort, über eine Ahrbrücke und weiter parallel der Straße, durch einen zweiten Einschnitt. Die Brücke wurde bereits frühzeitig abgebrochen. Zwischen dem Neubau der "Lochmühle" und dem heutigen "Jägerstübchen" ist ein einziges Brückenrelikt erhalten geblieben, und die Schneise des Felsdurchbruches kann man noch heute nachvollziehen. Die erste Ahrbrücke von 1886 vor der Einfahrt in den Bahnhof Altenahr wurde 1936-1938 durch ein verstärktes Bauwerk ersetzt, über das heute der Zugverkehr rollt. Der Bahnhof Altenahr war zu dieser Zeit viergleisig. Im Zuge des strategischen Ausbaus wurde für die Gleise der linksseitige Hang abgetragen und die Gleise nach dorthin verlegt. Die Schienen verliefen ursprünglich dort, wo heute noch das ehemalige Altenahrer DB-Stellwerk steht. Die erste Ahrbrücke an der Ausfahrt in Richtung Kreuzberg besteht heute noch für Fußgänger und Radfahrer. Die Brücke von 1912 wurde zwar nicht zerstört, aber im Zuge des Rückbaus der Strecke nach dem Kriege wurde auch einer der beiden Stahlüberbauten entfernt. über diese "reduzierte" Brücke führt heute der Personenverkehr Ahrbrück - Bonn - Ahrbrück.

Strecke nach Adenau

Der weitere Streckenverlauf nach Adenau ist noch heute gut nachzuvollziehen. Auch in H�nningen wurde die Bahn verlegt, sie verlief damals ortsn�her, wovon auch das aus Bruchstein erbaute Bahnhofsgeb�ude am heutigen Radweg bis zu seinem Abriss zeugte. Der G�terverkehr auf der Ahrtalbahn ab H�nningen Richtung Rhein wurde nach Schlie�ung der Firma Kl�ren im Jahr 1985 eingestellt.
In D�mpelfeld schlie�lich kam es in den Jahren 1912/1913 ebenfalls zu gr��eren Neu- und Umbauma�nahmen. Zun�chst wurde die urspr�nglich durch den Ort verlaufende Trasse verlegt. Die Hauptstrecke f�hrte damals �ber eine sch�ne Stahlbr�cke unterhalb D�mpelfeld �ber die Ahr. �ber ein Dreieck f�hrte dort eine neue milit�rische Nachschubstrecke nach J�nkerath, Gerolstein und Blankenheim. Diese neu gebaute, landschaftlich �u�erst reizvolle und zweigleisige Bahnstrecke f�hrte �ber Insul, Schuld und Fuchshofen weiter durch die Eifel. Sie sollte als strategische Bahn der schnellen Truppenverlegung in Richtung Frankreich dienen, ebenso wie in anderen Teilen Deutschlands seinerzeit zur russischen Grenze.
Viele Gäste interessierten sich für den Vortrag von Klaus Kemp (re)-Zoom in
Viele Gäste interessierten sich für den Vortrag von Klaus Kemp (re)
Bis dahin war Adenau Endstation der Ahrtalbahnstrecke gewesen. Hier zeugt heute nur noch der Bahnhof von glorreichen Bahnzeiten. Vor einigen Jahren wurde dann auch noch der Prellbock als letztes Relikt beseitigt und dieser Bereich mit Parkplätzen überbaut. Damit ging auch eine der letzten, urigen Bahnhofsgaststätten verloren. Und damit auch ein Stück Bahnkultur, bedauerte Klaus Kemp auch diese Entwicklung.
Beim Bau der ersten Eisenbahnen ab 1835 wurden die Bahnsteige so angelegt, dass man ebenerdig in die Wagen gelangen konnte. Wegen einiger Unfälle, bei denen Passagiere in den Spalt zwischen Bahnsteigkante und Wagen fielen, ging man dazu über, die Bahnsteige abzusenken, sodass man nun Treppen an den Wagentüren brauchte, um ein- und aussteigen zu können. Heute geht die Tendenz wieder zurück zum barrierefreien Einstieg mit höher gelegten Bahnsteigen und Niederflurfahrzeugen im Nahverkehr.
Fast alle Trassenverlegungen können heute bei genauer Suche in der Landschaft, besonders aber durch alte Aufnahmen, nachvollzogen werden.

BBW Kreuzberg

In Kreuzberg wurde 1912 ein Bahnbetriebswerk (BBW) errichtet. Der Bahnhof Kreuzberg hatte damals eine hohe Bedeutung und war Arbeitgeber für einige Hundert Bahnbedienstete. Betriebswerk, Drehscheibe sowie Teile der Gleise sind mittlerweile - vom Kreis nur mangelnd geschätzt - durch die Deutsche Bahn AG demontiert worden oder stehen, wie das Betriebswerk, vor dem systematischen Verfall. Lange gehegte Pläne zu einer Nutzung der ehemaligen Bahnflächen als Bauland mussten wegen der kontaminierten Böden aufgegeben werden.
Wo vor der Verlegung der Trasse damals bereits ein Tunnel vorhanden war, wurde eine zweite Röhre gebohrt. Die Ahrtalbahn hat fünf Typen von mehrgeschossigen Bahnhofsgebäuden (Baujahre Bhf. Ahrweiler und Bad Bodendorf 1880, Dernau, Mayschoß, Altenahr und Adenau 1886-1888, Kreuzberg und Dümpelfeld 1912, Walporzheim etwa 1912).
Der Vortagssaal im Mehrgenerationenhaus war zu diesem interessanten Themenbereich voll besetzt, es mussten sogar noch Stühle zugestellt werden. Unter den Zuhörern waren auch zahlreiche Ex-Bahner, die sich wie etliche andere, ihr Buch "Die Ahrtalbahn" vom Verfasser Klaus Kemp signieren zu lassen. Die Freunde der Ahrtalbahn bedankten sich bei Klaus Kemp für den aus Sicht aller Zuhörer tollen, informativen Vortrag mit einer Flasche Ahr-Frühburgunder.

Willi Tempel