Ahrtaler Eisenbahnfreunde

2014: Zweckverband streicht Züge

Im Herbst sollen jahrelang bewährte Zusatzzüge wegfallen

Eklat: SPNV Nord schrieb die Zugleistungen nicht mehr mit aus

Sowohl Winzerfeste als auch der Luzia-Markt betroffen - Widerst�nde

Ahrkreis/Remagen/Ahrbr�ck/Kreuzberg. Erst vor wenigen Tag hatten in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Zweckverband SchienenPersonenNahVerkehr (SPNV) Rheinland-Pfalz Nord, Nahverkehr Rheinland sowie Deutsche Bahn (DB) Mobility den Einsatz der neuen Triebwagen Alstom Coradia Lint auf der Ahrtalstrecke angepriesen. Und bereits im Vorfeld wurde die ohne Frage positive Ausweitung des sogenannten �Dernauer Takts� zwischen Dernau und Remagen herausgestellt. Verschwiegen wurden von SPNV und DB hingegen die massiven Angebotsk�rzungen im Bahnverkehr zwischen Dernau und Kreuzberg im nahenden Herbst. Demnach sollen folgende - jahrelang bew�hrte - zus�tzliche Wochenendverbindungen im September und Oktober sowie am Luzia-Markt ersatzlos entfallen:
Z�ge 10:25, 12:25, 14:25, 16:25, 18:25 von Remagen nach Kreuzberg fahren im Herbstverkehr nicht mehr;
Z�ge 11;51, 13:51, 15:51, 17:51, 19:51 von Kreuzberg nach Remagen fahren im Herbstverkehr nicht mehr.
Und diese Planungen fallen gerade in den Herbst, wo das Ahrtal touristisch ausgesprochen stark frequentiert ist und die Z�ge bekannterma�en oftmals entsprechend gefragt und �berf�llt sind. Betroffen w�ren Weinfeste ebenso wie etwa der Recher Luziamarkt.

Misere des SPNV Nord
Einzig verantwortlich f�r diese Misere ist der SPNV Nord. Dieser hat die Leistungen f�r das K�lner Dieselnetz schlichtweg nicht mehr ausgeschrieben. Auf R�ckfrage von Blick Aktuell gestand der stellvertretende SPNV-Verbandsdirektor Thomas Nielsen dies ein.
Nielsen hierzu: �Nach inzwischen erfolgter interner Beratung hierzu und Einholung einer Stellungnahme bei unseren Vertragspartnern von DB Regio NRW m�chten wir wie folgt hierzu Stellung nehmen. Die Verkehrsleistungen der Ahrtalbahn (Regionalbahn-Linie 30 Bonn - Remagen - Ahrbr�ck inklusive des sogenannten Zwischentaktes Remagen - Dernau) waren im Rahmen der Ausschreibung des sogenannten K�lner Dieselnetz mit einer neuen halbst�ndlichen Bedienung zwischen Remagen und Dernau auch am Wochenende sowie einem st�ndlichen Angebot zwischen Dernau und Ahrbr�ck von uns neu konzipiert worden. Die bisher bei st�ndlichem Verkehr Remagen - Ahrbr�ck verkehrenden eist�ndlichen Zwischentakte Remagen - Kreuzberg in der Weinfestsaison samstags und sonntags im September und Oktober sowie zum Lucia-Markt in Rech waren nicht Bestandteil des Ausschreibungsfahrplans und sind daher von DB Regio NRW nicht eingeplant und angeboten worden.�

Regelm��ig im Herbst: �berf�llte Z�ge-Zoom in
Regelm��ig im Herbst: �berf�llte Z�ge
Weniger Z�ge an Weinfesten
�Der Abschnitt Dernau - Kreuzberg wird daher in der Tat ab diesem Jahr an den Weinfestwochenenden im September und Oktober mit weniger Z�gen als bislang bedient.� Und weiter: �Dem steht die erhebliche Verbesserung zwischen Remagen und Dernau gegen�ber. Die Betriebsabwicklung bei den bisherigen zus�tzlichen Verkehren zwischen Dernau und Kreuzberg hatte sich infolge h�ufig �berlanger Haltezeiten leider oftmals als unp�nktlich erwiesen mit negativen Folgen f�r die Fahrplanstabilit�t auf der Ahrtalbahn insgesamt. Au�erdem war die Fahrgastnachfrage im oberen Abschnitt der Ahrtalbahn insgesamt vergleichsweise gering. Von waren diese zus�tzlichen Verkehre bei der Ausschreibung nicht mit ber�cksichtigt worden. Demgegen�ber sollte das ausgeschriebene neue Verkehrsangebot auf der Ahrtalbahn betrieblich weniger anf�llig f�r Versp�tungen sein. Wir werden gemeinsam mit unseren Vertragspartnern von DB Regio NRW beobachten, ob der neue Fahrplan von den angebotenen Kapazit�ten auch im oberen Abschnitt der Ahrtalbahn ausreicht. Ansonsten m�ssten im Rahmen der M�glichkeiten Nachbesserungen durch die Bestellung zus�tzlicher Leistungen erfolgen.�

Blick Aktuell hakte beim SPNV weiter nach:
1.) Aus welchem Grunde konkret wurde das Angebot reduziert? Und das zumal in
einer Zeit (Herbst), in der �Heerscharen� von Touristen das Ahrtal regelrecht
�berfluten.

2.) Wie hat sich das Fahrgastaufkommen auf der betroffenen Strecke entwickelt und
gegebenenfalls in welchem Umfang reduziert?

Die erbetenen pr�fbaren Angaben machte der SPNV nicht. Hierzu teilte der SPNV
Nord gleicherma�en lapidar wie ausweichend lediglich mit: �Angesichts unserer
bereits sehr ausf�hrlichen Antwort, aus der alle wichtigen Aspekte dazu hervorgehen, bitten wir Sie ausdr�cklich um Verst�ndnis, dass wir nicht noch weiter dazu Stellung nehmen.�

Gro�: Schwache Argumentation

Wolfgang Gro�, Sprecher der Freunde der Ahrtalbahn, wird in seiner Kritik sehr
deutlich und bezeichnet �die Argumentation von SPNV-Sprecher Thomas Nielsen
als schwach.� Und Gro� hierzu weiter: �Im Herbst hatten die Z�ge an der Oberahr
immer Versp�tung. Grund: die mangelnde Infrastruktur, der lange Blockabschnitt
zwischen Dernau und Kreuzberg sowie der hohe Reisendenandrang.� Gerade
deswegen seien die zus�tzlichen Z�ge so wichtig. Und jetzt, fragt er?
�Logischerweise werden die Versp�tungen noch h�her, da die Reisenden in weniger
Z�gen bef�rdert werden, also die Aufenthaltszeiten noch l�nger werden,� stellt der
auch �berregional als Bahnexperte anerkannte Wolfgang Gro� betroffen fest.

Schnell reagiert hat auch die Verbandsgemeinde Altenahr. Die erste Beigeordnete
Ingrid N�kel-Surges, die Verbandsb�rgermeister Achim Haag w�hrende dessen
Urlaub vertritt, wendet sich wegen der Angebotsk�rzung in getrennten Schreiben an
SPNV-Verbandsdirektor Dr. Thomas Geyer und den Ahrweiler Landrat Dr. J�rgen
Pf�hler: �Die Verbandsgemeinde Altenahr kann die Streichung der zus�tzlichen
Verbindungen zwischen Dernau und Kreuzberg (s.u.) an den Weinfestwochenenden
im Herbst nicht hinnehmen. Erst im Jahre 2000 konnte nach vielen Eingaben
erreicht werden, dass diese zus�tzlichen Z�ge in den Fahrplan eingebaut wurden.
Hintergrund waren die vielf�ltigen Beschwerden von Weinfestbesuchern an den
Oktoberwochenenden. Wegen erheblicher Kapazit�tsprobleme der Bahn kam es
auf dieser Strecke immer wieder zu �chaotischen Transportbedingungen.� Wir bitten
Sie, im Sinne unseres Tourismus in den Weinorten, notfalls zus�tzliche
Zugleistungen �ber den laufenden Vertrag mit der DB Regio hinaus zu bestellen.

N�kel-Surges: Falsche Wahrnehmung

Es ist eine falsche Wahrnehmung, dass in den letzten Jahren die Nachfrage gerade
im Monat Oktober gering gewesen sein soll. Nach Aussagen der Verantwortlichen in
den Verkehrsvereinen Rech, Mayscho� und Altenahr ist der Andrang der Reisenden
trotz zus�tzlicher Z�ge nach wie vor �berdurchschnittlich hoch. Wir k�nnen nicht
akzeptieren, dass unsere G�ste in diesem Herbst wie vom stellvertretenden
Verbandsdirektor Thomas Nielsen vorgeschlagen, einem Beobachtungsstatus
unterworfen werden, um dann festzustellen, dass wie in den Jahren vor 2000 an den
Oktoberwochenenden �chaotischen Transportbedingungen� auf der Ahrtalstrecke
herrschen.�
Kritik kommt auch von den Tourismusverb�nden- und Organisationen. Sie wollen die
geplanten Zug-K�rzungen nicht hinnehmen und haben ebenfalls Widerstand gegen
dieses Vorhaben angek�ndigt.

Willi Tempel