Ahrtaler Eisenbahnfreunde

Januar 2016 Modernes Stellwerk für die Ahrtalbahn

Kommt nicht: Technisch unterstützter Zugleitbetrieb (TUZ)

Die DB Netz plante schon geraume Zeit, auf der oberen Ahrtalbahn ab Walporzheim die Zugsicherung künftig durch das Betriebssystem "Zugleitbetrieb" zu ersetzen. Die mechanischen Stellwerksanlagen und Fdl in Dernau und Kreuzberg wären weggefallen.
Diese Planungen wurden jetzt begraben und es soll ein modernes Gleisbildstellwerk gebaut werden.

Vor rund 1 1/2 Jahren wurden die Überlegungen der DB Netz AG bekannt, auf der oberen Ahrtalbahn den sogenannten "Technisch unterstützten Zugleitbetrieb" (TUZ) einzuführen. Mit diesem System sollten die mit örtlichen Fahrdienstleitern besetzten Stellwerke in Dernau und Kreuzberg ersetzt werden. Der Zugleiter sollte in Walporzheim sitzen.

Aus Sicht der Ahrtalbahnfreunde bedeutete dies einen technischen Rückschritt für die Ahrtalbahn. Der Zugleitbetrieb wird normalerweise auf schwach befahrenen eingleisigen Nebenbahnen eingesetzt. Eine Kapazitätserweiterung - sprich mehr Züge auf der Strecke - wäre nur schwerlich zu realisieren gewesen. Auch bei Verspätungen, die auf der Ahrtalbahn zu vielen Zeiten die Regel sind, und bei Störungen bietet der Zugleitbetrieb Nachteile. Die Betriebsabwicklung ist auf Grund vieler fernmündlicher Meldungen und Aufträge langsam und umständlich.

Es formierte sich rasch regionaler Widerstand gegen diese Planungen. Besonders die Verbandsgemeinde Altenahr und Gemeinde Dernau, unterstützt mit bahntechnischem Sachverstand, setzten sich zur Wehr. Die Schwachstellen des geplanten Systems wurden thematisiert: Hohes Reisendenaufkommen durch Tourismus, mögliche Sonderzüge bis Kreuzberg, rasche Abstellung in Kreuzberg, Probleme bei Verspätungen und Störungen.
Bürgermeister Haag organisierte im September 2015 eine Anhörung zu diesem Thema im Saal der Gemeinde Dernau. Nahezu alle Ortsbürgermeister, Vertreter des Tourismusverbandes, Mitarbeiter von DB Regio, des Aufgabenträgers aus Koblenz, der Ahrtalbahnfreunde und viele Fahrdienstleiter lauschten den Ausführungen der Vertreter der DB Netz AG.

Die Argumente der regionalen Ortsgremien wurden von Dipl-Ing. Dietmar Litterscheid, einem erfahrenen Eisenbahnbetriebsleiter und ein Experte der Württembergischen Eisenbahngesellschaft, vorgetragen. Er wies präzise auf die Schwachstellen des geplanten Systems und Probleme hin. Dazu zitierte er die betreffenden Regelwerke der DB und wies auf die besondere betriebliche Situation auf der Ahrtalbahnstrecke hin, auf der nach seiner Meinung die Einrichtung von TUZ nicht das geeignete Betriebssystem sei.

In diesem Zusammenhang wiesen die ortskundigen Zuhörer auch deutlich auf die in den letzten Jahren immer wieder auftretenden Probleme im Herbstverkehr hin. Sie kritisierten den mangelnden Einsatz von Hilfskräften und Schaffnern in den Zügen und auf den Bahnhöfen. Auch die mangelnden Platzkapazitäten wurde angesprochen. DB Regio sagte zu, diese Probleme zu beheben.

Nunmehr kam vor wenigen Tagen vom Leiter des Regionalnetzes der DB Netz AG die schriftliche Information, das man von dem Plänen zur Einrichtung von TUZ Abstand genommen hat und ein modernes Gleisbildstellwerk bauen wird. Ein solches Gleisbildstellwerk, vielleicht in Ahrweiler oder Walporzheim installiert, bietet einen modernen, sicheren und schnellen Betriebsablauf. Die mechanischen Stellwerke sollen sukzessive ersetzt werden.

Die Ahrtalbahnfreunde zeigen sich zufrieden mit dieser Entwicklung. Wie schon bei vielen anderen Problemen hat auch hier wieder die ganze Ahrtalregion geschlossen eine Meinung vertreten und sich für eine zeitgerechte und moderne technische Entwicklung eingesetzt.

Grundtenor: die Ahrtalbahn ist wichtig, unersetzlich und muss ausbaufähig bleiben.